2013

Wohnwagenabenteuer in Tirol: Entdecke Judenstein und Innsbruck

Die Reise beginnt mit einem markanten Wechsel der Kulisse. Sobald wir die Grenze bei Kufstein passieren, schieben sich die massiven Felswände des Kaisergebirges in unser Sichtfeld. Unser Ziel ist das sonnige Hochplateau oberhalb von Innsbruck. Mit dem Wohnwagen am Haken ist die Auffahrt über die Mittelgebirgsstraße nach Rinn ein echtes Erlebnis – die Kurven schrauben sich sanft in die Höhe, und bei jedem Blick in den Rückspiegel wird das Inntal unter uns kleiner, während die schneebedeckten Gipfel der Nordkette gegenüber immer mächtiger wirken.

Wir steuern den Judenstein an. Der Ort selbst ist ruhig, fast andächtig und liegt eingebettet in saftige Bergwiesen und dichte Wälder. Da es direkt im Ortsteil Judenstein keinen klassischen Groß-Campingplatz gibt, steuern wir einen der terrassenförmig angelegten Plätze in der nahen Umgebung an (etwa in Hall oder direkt in Innsbruck/Mutters). Von dort aus ist Judenstein nur ein Katzensprung entfernt. Das Abstellen der Stützen und das erste Ausrichten des Wohnwagens fühlt sich hier oben anders an als an der See: Die Luft ist dünner, kristallklar und duftet intensiv nach Zirbenholz und frischem Heu.

Der Samstagmorgen beginnt mit einer Wanderung direkt von der Haustür aus. Wir spazieren zur Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung im Ortsteil Judenstein.

Die Geschichte des Ortes ist vielschichtig, doch heute ist es vor allem ein Ort der Stille und der weiten Ausblicke. Der Weg führt uns über den „Besinnungsweg“ durch den Wald. Das Knirschen der Wanderschuhe auf dem Waldboden ist das einzige Geräusch, bis wir eine Lichtung erreichen, die den Blick auf den Patscherkofel, den Hausberg der Innsbrucker, freigibt.

Am Nachmittag lassen wir den Wohnwagen stehen und nutzen die hervorragende Anbindung, um mit dem Bus oder dem Auto die kurze Strecke hinunter nach Innsbruck zu fahren.

Ein Bummel durch die Altstadt zum Goldenen Dachl ist Pflicht, doch das eigentliche Highlight ist der Kontrast: Unten das urbane Treiben und das prunkvolle Barock, oben unser kleines Zuhause auf Rädern in der absoluten Ruhe des Plateaus.

Den Abend verbringen wir vor dem Wohnwagen. Während im Norden die Sonne oft im Meer versinkt, erleben wir hier das Alpenglühen. Die Felsen der gegenüberliegenden Berge färben sich erst golden, dann tiefrosa, bis die Kühle der Bergnacht heraufzieht. Wir kochen uns eine deftige Jause mit Tiroler Speck und Bergkäse, den wir direkt beim Bauern im Dorf gekauft haben. Das neue Fahrwerk oder der Träger, den wir vielleicht noch im Kopf haben, spielt hier keine Rolle mehr – es zählt nur der Moment unter dem funkelnden Sternenhimmel der Alpen.

Am Sonntag genießen wir noch ein langes Frühstück im Freien, bevor wir das Gespann wieder startklar machen. Die Abfahrt ins Tal erfordert Konzentration und eine gute Motorbremse, aber das Gefühl, die Freiheit der Berge im Schlepptau zu haben, macht jede Kehre zu einem Genuss.


Ein kleiner Peer-Tipp: Da die Straßen rund um Rinn und Judenstein für Gespanne stellenweise eng sein können, schaut euch die Route vorab genau an. Besonders die „Aldranser Straße“ ist gut ausgebaut, aber man sollte bei Gegenverkehr mit einem breiten Wohnwagen vorausschauend fahren.